Ratenkauf & BNPL im Onlineshop: Neue Regeln ab November 2026
Ratenkauf und BNPL sind verbreitet, aber der Mehrumsatz ist weniger sicher als oft behauptet. Ab 20. November 2026 ändern sich zudem die Regeln für Händler.

Ratenkauf und Buy now, pay later (BNPL) sind in Deutschland etabliert, aber kein Massenphänomen: Laut EHI machte der Ratenkauf 2025 rund 4,7 Prozent der Online-Umsätze aus, Rechnungskauf dagegen 26,1 Prozent. Ab dem 20. November 2026 gelten außerdem neue Verbraucherkredit-Regeln, die auch zinslose Ratenzahlungen und BNPL stärker erfassen. Wer solche Zahlarten anbietet, sollte deshalb vor November prüfen, was das für Checkout, Anbieter und eigene Zahlungsziele bedeutet.
Dieser Beitrag ist eine Einordnung für Shopbetreiber und keine Rechtsberatung. Bei Fragen zu deinem konkreten Modell hilft eine juristische Prüfung.
Was sind Ratenkauf und BNPL?
Buy now, pay later ist ein Zahlungsverfahren, bei dem Kunden Waren sofort erhalten und den Betrag später oder in Teilbeträgen bezahlen, während der Händler sein Geld in der Regel vom Zahlungsanbieter bekommt. Der Ratenkauf ist die Variante mit festen Monatsraten über mehrere Monate. Der Rechnungskauf ist die klassische Zahlung nach Lieferung.
Am Beispiel von PayPal sieht das so aus: Auf der PayPal-Händlerseite nennt der Anbieter „Bezahlung nach 30 Tagen“ für Einkäufe von 1 bis 2.000 Euro und „PayPal Ratenzahlung“ in 3, 6, 12 oder 24 Monatsraten ab 99 Euro. Die Verfügbarkeit hängt von Händlerstatus, Branche und Integration ab, und Kunden müssen eine Bonitätsprüfung bestehen. Andere Anbieter wie Klarna, Ratepay oder Unzer haben eigene Konditionen; deren aktuelle Bedingungen konnten wir nicht aus Primärquellen prüfen und nennen sie deshalb nicht im Detail.
Wie verbreitet ist Ratenkauf in Deutschland?
Ratenkauf wächst, ist aber ein Nischenanteil. Die EHI-Studie Online-Payment 2026 beziffert die Umsatzanteile 2025 so:
| Zahlungsart | Umsatzanteil 2025 |
|---|---|
| PayPal | 28,7 % |
| Rechnungskauf | 26,1 % |
| Lastschrift | 14,4 % |
| Kredit- und Debitkarten | 13,7 % |
| Ratenkauf | 4,7 % (2024: 4,3 %) |
Die Studie weist Umsatzanteile aus, nicht Anteile an der Zahl der Bestellungen, und verwendet den Begriff BNPL nicht, so dass „Ratenkauf“ die nächste Entsprechung ist. Wichtig für dich: Rechnungskauf spielt in Deutschland eine große Rolle. Gerade er kann ab November unter die neuen Regeln fallen, wenn du ihn selbst anbietest (siehe unten). Welche Zahlarten sonst zählen, steht in den E-Commerce-Trends 2026.
Erhöht BNPL den Warenkorbwert wirklich?
Ob BNPL den Warenkorbwert erhöht, ist nicht seriös pauschal zu beantworten. Pauschale Zahlen wie „30 bis 45 Prozent höhere Bestellwerte“ kursieren häufig, eine unabhängige Quelle dafür gibt es nicht.
Die verfügbaren Zahlen stammen überwiegend von Anbietern. PayPal nennt auf seiner Händlerseite etwa einen um 61 Prozent höheren durchschnittlichen Bestellwert bei Ratenzahlungs-Transaktionen deutscher Händler, belegt mit einer internen PayPal-Analyse (Januar bis Dezember 2024). Der Stripe-Ratgeber zu BNPL in Deutschland verweist auf Studien, nach denen BNPL-Nutzer im Schnitt rund 6,42 Prozent mehr ausgeben, und auf eine Analyse von 2024 mit etwa 20 Prozent mehr Umsatz. Solche Werte vergleichen oft Kunden, die sich bewusst für Raten entscheiden, mit allen anderen, und sagen wenig darüber, was in deinem Shop zusätzlich passiert.
Plausibel ist: Bei höheren Preisen kann eine Ratenoption die Kaufhürde senken, und BNPL kann Kunden gewinnen, die sonst abgebrochen hätten. Ein Beleg für deinen Shop entsteht erst durch einen Test. Wie du das aufsetzt, beschreibt unser Beitrag zu A/B-Tests. Misstraue Versprechen, die eine feste Steigerung nennen.
Wer trägt das Zahlungsausfallrisiko?
Bei den gängigen Ratenzahlungs- und Rechnungsmodellen mit Zahlungsanbieter trägt meist der Anbieter das Ausfallrisiko, nicht der Händler. PayPal schreibt, dass der Händler nach Abschluss der Transaktion den vollen Betrag erhält und durch verspätete oder ausbleibende Kundenzahlungen kein zusätzliches Risiko entsteht. Die Aussage stammt vom Anbieter selbst, und Bedingungen unterscheiden sich je nach Produkt und Land; prüfe deshalb den aktuellen Händlervertrag.
Ganz risikofrei ist es für dich trotzdem nicht. Laut Stripe sind BNPL-Gebühren in der Regel höher als Kartengebühren, und Händler sind auf die Zuverlässigkeit des Anbieters angewiesen. Bei Rückerstattungen muss laut PayPal-Hilfe der Händler die Erstattung über PayPal auslösen, da PayPal den Gesamtbetrag bereits ausgezahlt hat.
Was ändert sich durch die EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD2) ab dem 20. November 2026?
Ab dem 20. November 2026 fallen laut mehreren Fachbeiträgen erstmals auch zinslose Ratenzahlungen, BNPL-Modelle und unter Umständen der Kauf auf Rechnung unter das Verbraucherkreditrecht. Grundlage ist die Richtlinie (EU) 2023/2225, deren Umsetzungsfrist am 20. November 2025 ablief; das deutsche Umsetzungsgesetz wurde laut Payment & Banking am 17. April 2026 verabschiedet und tritt laut Osborne Clarke am 20. November 2026 in Kraft.
Was ist neu?
- Weiterer Anwendungsbereich: Die Verbraucherzentrale NRW wies schon 2024 darauf hin, dass die EU-Richtlinie die Lücke für Kredite unter 200 Euro schließt. Entgeltlichkeit ist laut Osborne Clarke nicht mehr entscheidend: Wer einen Zahlungsaufschub gewährt, gilt grundsätzlich als Kreditgeber.
- Ausnahme für eigene Zahlungsziele: Nach den Fachbeiträgen bleibt ausgenommen, wer den Aufschub selbst, unentgeltlich und mit begrenzten Verzugskosten einräumt, ohne Dritte. Kleine und mittlere Unternehmen dürfen demnach höchstens 50 Tage gewähren, größere Anbieter im Fernabsatz höchstens 14 Tage (yagemi, Osborne Clarke).
- Bonitätsprüfung: Sie muss laut yagemi „eingehend“ erfolgen und für jedes Verbraucherdarlehen dokumentiert werden; bei automatisierten Entscheidungen haben Kunden ein Recht auf Eingreifen einer Person.
- Information und Widerruf: Vor Vertragsschluss ist ein europäisches Standardinformationsformular bereitzustellen, nach der Bestellung soll eine Widerrufserinnerung versendet werden, und der Widerruf ist auf höchstens zwölf Monate und 14 Tage begrenzt (nur bei korrekter Belehrung).
- Aufsicht: Kreditgeber der Absatzfinanzierung müssen sich grundsätzlich bei der BaFin registrieren; für bestehende Tätigkeiten gilt laut Osborne Clarke eine Übergangsfrist bis 20. November 2027. Bußgelder reichen bis 500.000 Euro.
Was bedeutet das für Shopbetreiber?
Entscheidend ist, wer in deinem Modell Vertragspartner und Kreditgeber ist. Bietest du über einen Zahlungsanbieter an, der das Kreditverhältnis übernimmt, liegen die meisten Pflichten laut den Fachbeiträgen beim Anbieter. Räumst du Kunden selbst Zahlungsziele oder Raten ein, kannst du selbst zum regulierten Kreditgeber werden. Bindest du externe Kreditgeber in deinen Checkout ein, kommt zudem eine Einordnung als Darlehensvermittler in Betracht: A&O Shearman beschreibt dafür eine Erlaubnispflicht nach dem neuen § 34k GewO, mit Ausnahmen für kleine Händler, die nur Finanzierungen für eigene Waren vermitteln.
Bei der Frage, wann die Abtretung einer Forderung an einen Dritten den Ausnahmetatbestand entfallen lässt, gehen die Einschätzungen auseinander: Osborne Clarke sieht bei Nicht-KMU Factoring als Grund für den Wegfall, Payment & Banking berichtet, im finalen Gesetz werde nur die Übernahme des gesamten Schuldverhältnisses reguliert. Auch die Rolle von Auskunfteien war laut yagemi zum Stand September 2026 nicht abschließend geklärt. Genau deshalb solltest du dein Modell juristisch prüfen lassen.
Was gilt für den klassischen Rechnungskauf?
Der Rechnungskauf ist in Deutschland besonders verbreitet: Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Uni Bamberg ermittelte in einer Händlerbefragung von 2022, dass 28,8 Prozent der deutschen Bestellungen per Rechnung bezahlt werden, im übrigen EU-Raum nur 9,9 Prozent. Wenn du Rechnungskauf über einen Zahlungsanbieter abwickelst, ist meist der Anbieter Vertragspartner für die Forderung. Gewährst du die Zahlungsfrist selbst, solltest du Länge und Verzugskosten mit den oben genannten Grenzen abgleichen. Fristen von mehr als 14 Tagen können für größere Anbieter im Fernabsatz künftig problematisch werden, so lesen es die Fachbeiträge; ob das auf dich zutrifft, hängt unter anderem vom KMU-Status ab, der auch verbundene Unternehmen einbeziehen kann.
Welche Schritte solltest du vor dem 20. November gehen?
Prüfe in dieser Reihenfolge, welche Pflichten dich betreffen und was dein Anbieter schon erledigt:
- Zahlarten auflisten: Welche Raten-, BNPL- und Rechnungsoptionen bietest du an, und wer ist jeweils Vertragspartner?
- Eigene Zahlungsziele prüfen: Gewährst du selbst Rechnungsziele? Wie lang sind sie, und fallen nur begrenzte Verzugskosten an?
- Anbieter fragen: Wie setzt er Informationspflichten, Bonitätsprüfung und Widerruf im Checkout um, und was muss im Shop ergänzt werden?
- Checkout-Texte und Werbung prüfen: Wo nennst du Raten oder monatliche Beträge (Produktseite, Warenkorb), und enthalten sie die nötigen Angaben? Vorangekreuzte Kästchen entfallen laut yagemi.
- Abläufe für Widerruf, Erstattung und Beschwerden festlegen, auch bei Retouren mit laufender Ratenzahlung.
- Juristische Prüfung einplanen und das Ergebnis dokumentieren.
Welche Risiken gibt es für Kunden?
Für Kunden liegt das Hauptrisiko darin, den Überblick über viele kleine Zahlungen zu verlieren. Die Verbraucherzentrale NRW warnt, dass hinter BNPL häufig ein kostenpflichtiger Kreditvertrag eines Dritten steckt und Verbraucher in eine Kostenspirale mit hohen Zinsen und Kosten geraten können; im schlimmsten Fall droht Überschuldung. Für dich als Händler heißt das: Kommuniziere Raten klar, mit Gesamtbetrag und Laufzeit, und dränge Kunden nicht zur Ratenzahlung. Das passt zu den neuen Regeln und schützt dein Image.
Wie führst du Ratenkauf im Shop sauber ein?
Binde Ratenkauf dort ein, wo Preise eine Rolle spielen, und teste die Wirkung. Ein sinnvoller Ablauf:
- Zahlungsanbieter auswählen, der dein Shopsystem (WooCommerce, Shopify oder ein anderes System) unterstützt und die neuen Pflichten abdeckt.
- Ratenoption im Checkout und, bei höheren Preisen, auf der Produktseite zeigen, mit klaren Angaben statt Werbefloskeln. Mehr zu Produktseiten in Produktseiten optimieren.
- Rechtstexte, Hinweise und E-Mails an die Anforderungen anpassen.
- Wirkung messen: Anteil der Ratenkäufe, Warenkorbwert, Abbruchquote im Zahlungsschritt, Retouren.
Wir setzen Zahlungsanbieter in Shops technisch um und gestalten die Checkout-Strecke. Die rechtliche Bewertung deines Modells bleibt bei deiner Rechtsberatung. Mehr zu unserem E-Commerce-Angebot findest du dort, für eine Einschätzung deines Checkouts nutzt du die Kontaktseite.
Häufige Fragen
Was ist Buy now, pay later (BNPL)?
BNPL ist ein Zahlungsverfahren, bei dem Kunden Waren sofort erhalten und später oder in Teilbeträgen zahlen. Der Händler bekommt sein Geld meist vom Zahlungsanbieter, der Bonitätsprüfung und Forderungsmanagement übernimmt.
Was ändert sich für BNPL am 20. November 2026?
Ab diesem Datum gilt die deutsche Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie (EU) 2023/2225. Laut Fachbeiträgen fallen dann auch zinslose Ratenzahlungen, BNPL und teils der Kauf auf Rechnung unter das Verbraucherkreditrecht, mit Pflichten zu Bonitätsprüfung, Information und Registrierung bei der BaFin. Das ist keine Rechtsberatung.
Trägt der Händler das Zahlungsausfallrisiko bei Ratenkauf?
Bei gängigen Modellen mit Zahlungsanbieter meist nicht: PayPal schreibt, der Händler erhalte den vollen Betrag und trage kein zusätzliches Risiko durch verspätete Kundenzahlungen. Prüfe dennoch die Bedingungen deines Anbieters, da sie je nach Produkt und Land abweichen.
Wie lange darf ich als Händler selbst Zahlungsziel auf Rechnung einräumen?
Laut Fachbeiträgen bleibt ein eigenes, unentgeltliches Zahlungsziel ohne Dritte ausgenommen, bei KMU bis höchstens 50 Tage, bei größeren Anbietern im Fernabsatz bis höchstens 14 Tage. Die Einordnung hängt von deinem Modell ab, lass sie juristisch prüfen.
Erhöht Ratenkauf den Umsatz im Onlineshop?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es gibt Anbieterangaben mit teils hohen Werten, aber keine unabhängige Zahl, die für jeden Shop gilt. Teste Ratenkauf deshalb mit eigenen Daten, etwa Anteil der Ratenkäufe, Warenkorbwert und Abbruchquote im Zahlungsschritt.
Quellen
- Erste europäische Händlerbefragung zum Retourenmanagement Universität Bamberg, 2022-09
- PayPal Ratenzahlung und Später bezahlen für Händler PayPal, 2026
- Online-Payment 2026: Rechnungskauf und PayPal weiter dominierend IT-Finanzmagazin (zur EHI-Studie), 2026-05
- Buy now, pay later (BNPL) in Germany: What retailers need to know Stripe, o. D.
- Die neue Verbraucherkreditrichtlinie (CCD II) Osborne Clarke, 2026-08
- Verbraucherkreditrichtlinie: Was ab 20.11.2026 im Shop gilt yagemi, 2026-09
- CCD2-Umsetzung fix: Die neuen Spielregeln für die Kreditbranche Payment & Banking, 2026-04
- Buy Now Pay Later: Impact of the new EU Consumer Credit Directive A&O Shearman, o. D.
- „Buy now, pay later“: Besserer Schutz vor Überschuldungsrisiko wichtig Verbraucherzentrale NRW, 2024-05
Stand: Oktober 2026. Angaben ohne Gewähr, keine Rechtsberatung.




